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Franz Kreis

Franz Kreis

Rottmannshöhe April 1945

Das ehemalige Hotel und Sanatorium auf der Rottmannshöhe war seit 25 Jahren im Besitz der „oberdeutschen Provinz“ der Jesuiten. Hier fanden Exerzitienkurse statt, die viel Zulauf erfuhren. Während des Krieges war die Rottmannshöhe auch Zufluchtsort für viele Jesuiten, die vom NS-Regime, neben Juden, Kommunisten und Freimaurern, als Hauptfeinde betrachtet wurden. So kam auch ein junger Frater auf die Rottmannshöhe, der aus Breslau vor der vorrückenden roten Armee, wie große Teile der Bevölkerung, geflüchtet war. Dieser Frater war Franz Kreis. Wie alle musste auch er in der Wehrmacht dienen, war allerdings im Juli 1941 als  „wehrunwürdig“ aus dem Heer entlassen worden. Durch diesen Umstand war er noch im Besitz seiner Wehrmachtsuniform.

Als nun im April 1945 der Einmarsch der Amerikaner abzusehen war, begannen die Nazis, ihre Konzentrationslager zu räumen und schickten die Insassen auf langen Märschen Richtung Alpen.

Einer dieser „Todesmärsche“ führte durch die Gemeinde Berg. Der lange Zug der Häftlinge, der von den Bewachern unbarmherzig weitergetrieben wurde, war natürlich von der Bevölkerung nicht zu übersehen. Am 28. April entschloss sich Franz Kreis zusammen mit Otto Pies, einem Pater, der selbst im KZ Dachau inhaftiert gewesen war, dem Todesmarsch auf Fahrrädern zu folgen. Sie stießen kurz hinter Wolfratshausen auf die Gefangenen, die dort unter der strengen Bewachung im Wald lagerten. Die beiden Jesuiten konnten Kontakt zu Häftlingen aufnehmen, was vor allem durch die Oberleutnant-Uniform von Franz Kreis gelingen konnte. Nachdem sich die beiden couragierten Ordensbrüder ein Bild von der Lage gemacht hatten, kamen sie in der darauf folgenden Nacht wieder. Diesmal mit einem geliehen Lastwagen. Sie hatten Lebensmittel und Kleider dabei, die sie unter den Gefangenen verteilten. 12 verletzte Häftlinge konnten sie zur Behandlung mitnehmen. Zwei Nächte später zogen sie wieder los, und es gelang ihnen, weitere 20 Gefangene zu befreien.

Erst in Waakirchen wurden die letzten Personen durch die Amerikaner befreit. Allerdings befanden sich selbst nach dem Einmarsch der Amerikaner noch Insassen in den Lagern, die nur freigelassen wurden, wenn sie abgeholt und versorgt werden konnten. Aus Dachau wurden weitere Gefangene geholt, die auf der Rottmannshöhe Zuflucht und Versorgung erhielten.

Insgesamt wurden knapp 110 Gefangene aus dem Todesmarsch und dem KZ Dachau durch den selbstlosen und auch gefährlichen Einsatz von Franz Kreis und Otto Pies befreit.

Franz Kreis hat nie von den Ereignissen im April 1945 gesprochen. Nur in den Hausbüchern der Jesuiten der Rottmannshöhe, die heute im Archiv der Societas Jesu in der Kaulbachstraße in München liegen, kann man von seinen Heldentaten lesen. Erst vor ein paar Jahren starb Franz Kreis in einem Heim im Ruhrgebiet.

Beeindruckt von seiner Courage, seiner Selbstlosigkeit und seinem Einsatz im Namen der christlichen Nächstenliebe beschlossen die Berger Pfadfinder, diesem vergessenen Helden des Widerstands ein kleines Denkmal zu setzen und benannten ihren Stamm nach Franz Kreis.